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Open-Air: Jazz am Kaisersteg – draußen und gratis


Eine Kritk über diese Veranstaltungsreihe ist hier zu lesen:
https://www.facebook.com/wolfgang.eubel
und auf youtube (wolfgang eubel, Rezensionen, Jazz am "Kaisersteg") zu hören.


Absolutely Sweet Marie:
Steffen Faul – trumpet | Matthias Müller – trombone | Alexander Beierbach – saxes | Max Andrzejewski – drums
Die Besetzung ist ungewöhnlich, die künstlerische Idee geradezu verwegen: seit 2012 beschäftigt sich das von Alexander Beierbach gegründete Quartett mit Songs von Bob Dylan. Lassen sich die textlastigen, von ihrer speziellen Poesie lebenden Stücke der Pop-Ikone überhaupt in instrumentalen Jazz übertragen? Die meisten Medien finden: Absolutely Sweet Marie kann das. Im Jazz Thing hieß es zum 2020 erschienenen, dritten Album Wherever You Roam: „Die drei Bläser und das Schlagzeug wühlen sich wie Maulwürfe durch die verästelten, feingliedrigen Arrangements, schichten im Brass-Band-Stil polyphone Überlagerungen aufeinander und gewähren einander genügend Spielraum zu Improvisationen.“ Die Frankfurter Rundschau bestätigte: „Es ist gerade […] das Zusammentreffen von entschiedener Aneignung und respektvoller Huldigung, von […] Präzision und Verspieltheit, was den Spaß an der Musik steigert.“ Der Witz liegt, wie so oft, auch im Detail. Etwa wenn das Quartett nur Bruchstücke einer bestimmten Dylan-Aufnahme übernimmt oder sich einer Cover-Interpretation bedient, um diese als Ausgangsmaterial für eigenständige Adaptionen oder gar neue Kompositionen zu nutzen.

Allemano-Vandeweyer-Hilbig-Martinez:
Lina Allemano – trumpet | Els Vandeweyer – vibraphon | Maike Hilbig – bass | Lucia Martinez – drums
Ein neues, größtenteils in Berlin ansässiges Quartett mit internationalen Wurzeln. Alle vier Musikerinnen zählen zu den markanten Figuren der Hauptstadt-Szene, gemeinsam fusionieren sie unterschiedliche persönliche Hintergründe zu einem paneuropäisch-transatlantischen Modern Creative-Jazz. Die Trompeterin Lina Allemano pendelt zwischen Berlin und Toronto und beeindruckte zuletzt beim Berliner Jazzfest 2020 mit ihrem Trio Ohrenschmaus und kunstvollen Abstraktionen. Über die Bassistin Maike Hilbig schrieb das Jazz Thing vor einiger Zeit, sie „weiß wie kaum eine andere die Freiheit und Kompromisslosigkeit des Free Jazz mit der unterhaltsamen Verbindlichkeit ganz alltäglicher Lebenserfahrung zu verbinden.“ Lucía Martínez hat nach einer klassischen Ausbildung in ihrer alten Heimat und einem Jazzstudium in Portugal schließlich einen Master in Drums und Komposition an der UdK in Berlin absolviert. Ihr Spiel sei, sagt sie, ebenso von klassischer und Neuer Musik inspiriert wie durch Folk aus Galicien, Flamenco und mediterrane Einflüsse. Die Belgierin Els Vandeweyer hat das Spektrum des Vibraphons atemberaubend erweitert. Durch eigenwillige Spieltechniken (etwa dem Anschlagen der Platten mit einzelnen Fingern) und Präparierungen entwirft sie ungeahnt weitläufige Klangpanoramen.

Potsa Lotsa XL – play Henry Threadgill:
Silke Eberhard – alto sax, composition| Jürgen Kupke – clarinet | Patrick Braun – tenor sax, clarinet | Nikolaus Neuser – trumpet | Gerhard Gschlößl – trombone | Johannes Fink – cello | Taiko Saito – vibraphone, percussion | Antonis Anissegos – piano| Igor Spallati – bass | Kay Lübke – drums
Der afro-amerikanische Saxophonist Henry Threadgill (*1944 in Chicago), avancierte ab Mitte der Sechziger zu einer treibenden Kraft der Jazz-Avantgarde. Er gehörte zu den Schlüsselfiguren des wegweisenden Kollektivs AACM, u.a. mit Anthony Braxton und Jack DeJohnette. Gemeinsam versetzten sie die Grenzen des Jazz, verarbeiteten Einflüsse aus anderen Kulturen der Welt ebenso wie solche der zeitgenössischen Musik. Anfang der Siebziger zog Threadgill nach New York, wo er Projekte wie Very Very Circus (zwei Tubas, zwei E-Gitarren, Posaune oder Waldhorn, Schlagzeug), das Flötenquartett Flute Force Four oder Makin‘ A Move (vier Celli und vier akustische Gitarren) gründete. 2016 erhielt Henry Threadgill den Pulitzer Preis für Musik, 2018 komponierte er Sixfivetwo für das Kronos Quartet.
Threadgills progressive Musik wird von Potsa Lotsa XL in die Gegenwart transferiert. Das prominent besetzte Tentett um die Saxophonistin und Komponistin Silke Eberhard erhält seit geraumer Zeit viel Anerkennung, etwa für seine enorme Spannweite zwischen kammermusikalischen Feinheiten und kraftvollen Ausbrüchen. Weiterhin werden die orchestrale Tiefe, kluge kammermusikalische Themen, komplexe Rhythmik, subtil gesetzte und höchst variable Stimmungen sowie weite Spannungsbögen hervorgehoben. 2020 beeindruckte Potsa Lotsa XL mit Auftritten bei den Festivals in Moers und Berlin; ursprünglich war damals schon ein Konzert im Industriesalon Schöneweide geplant.

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