Viele seltene Krank- und Besonderheiten

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Steppendroid

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29.11.2017 06:32 Uhr
Es gibt leider sehr viele sehr seltene Krankheiten und das Informations- und Austauschnetz ist dazu leider ebenso sehr mager und selten wirklich ausreichend vorhanden. Ähnlich ist es bei Besonderheiten in ihren positiven als auch negativen Seiten, wie beim Autismus oder auch dem Down-Syndrom und Tourett-Syndrom, obgleich diese innerhalb unserer Gesellschaft nicht mehr ganz so unbekannt sind wie vor ein paar Jahrzehnten noch. Dennoch sind selbst die bekannteren Syndrome, Krankheiten und Besonderheiten eher noch befremdlich für viele, da sie eben eher selten sind und man solche Menschen nicht so häufig begegnet, wie jenen, die unsere Gesellschaft als "normal" deklariert. Auch ich musste das bei mir selbst zuletzt feststellen, als ich zum ersten mal einem Menschen begegnete, der ab und an unter Stress sehr stark ausgeprägt stotterte. Es war für mich anfangs sehr befremdlich, weil ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Ich hatte keine Erfahrung mit jenen Menschen. Aber ich möchte das lernen und erkannte dabei, wie wichtig es ist, dass man darüber mit Betroffenen frei und offen kommunizieren kann.

Letztendlich bin auch ich einer jener, die eher zu den selteneren Menschen zählen. Ich möchte darüber nicht viel sagen, weil ich mir bewusst darüber bin, dass dies so einige Nachteile für mich bieten könnte. Anders zu sein als die definierte Norm, ist leider zu oft von Nachteil in unserer Gesellschaft. Meist wird jenem Andersartigen und/oder -denkenden ein Stempel aufgedrückt. Eben nicht "normal", sondern "krank" oder "gestört".

Ich sehe in jenen eher selteneren Menschen aber keine Krankheit oder keine Störung, sondern den Menschen. Es ist doch immer brefremdlich einen Menschen kennen zu lernen, der anders agiert, als man es bislang kannte. Als Baby und Kleinkind passierte das sehr oft, da wir ja noch lernten, dass es in der Welt soviel gibt, was wir noch nicht kennen, aber doch immer da war und daher auch "normal" sein sollte, selbst wenn es sehr selten ist. Als Kind waren wir erstaunt, hoch aufmerksam und regelrecht erstarrt, ob des gänzlich Neuem und Unbekannten. Unsere Neugier führte uns dazu, das Andere, das Fremde kennenlernen, verstehen und begreifen zu wollen.
Wird man erwachsen, scheinen sich die meisten jedoch davor eher zu fürchten oder zumindest zu scheuen, das Andere im Kern kennenlernen, verstehen und begreifen zu wollen. Ich frage mich, warum?

Vielleicht kann ich dem einen oder anderen die Angst und Scheu nehmen und die kindliche Neugier mit dieser Aktion wecken.
Ziel ist es hier, darüber zu sprechen, worüber sonst nicht wirklich gesprochen wird. Sei es nun Autismus, ADHS, Down-Syndrom, Tourett-Syndrom, oder auch über noch viel unbekanntere Dinge, wie das Ehlers-Danlos-Syndrom, das Marfan-Syndrom, die Glasknochenkrankheit und vielerlei weiterer seltener Krankheiten und/oder Besonderheiten.

Manche wissen es und generell habe ich kein Prboblem damit, wenn es auch andere wissen, dass ich Autist bin. Darunter leide ich nicht, weil ich mich so kenne und sehr gut lernte meine Vorteile und Nachteile in Relation zu anderen "Normalen" richtig einzuschätzen und zu nutzen. Doch nicht jeder Autist ist dazu in er Lage oder wird von der Gesellschaft zu sehr behindert, um ein würdiges Leben führen zu können.
Daher ist es meiner Ansicht nach sehr wichtig, dass jene Autisten, die in dieser bestehenden Gesellschaft standhaft genug sind, sich auch für jene einsetzen, die das nicht können und/oder schaffen. Aber auch jene "Normalen" braucht es, um jenen Anderen "Nicht-Normalen" ein würdiges und vollwertiges Leben zu ermöglichen. Dafür ist es wichtig, dass ein jeder verstehen lernt, wie es ist, anders zu sein, als jenes "Normal". Letztendlich sind es Viele, die anders als jenes "Normal" sind, doch viele jener der Vielen hat etwas anderes Seltenes, weshalb sie in ihrer Sache selten und daher leider zu verlassen sind.

Vielleicht gelingt es mir, und allen anderen, die sich dafür einsetzen wollen, viele Menschen für das viele Seltene in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren. Ich fänd das jedenfalls gut.

Nur wer fällt lernt zu fliegen!

Frühlingsbote



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29.11.2017 13:47 Uhr
Ganz ehrlich, es fühlt sich gerade so an, als wäre dies einer der wenigen tatsächlich sinnvollen Themen auf dieser Plattform - endlich einmal wirklich etwas von Belang und von Wichtigkeit.

Ich finde Dein Anliegen ausgesprochen interessant, ein Stück weit auch mutig. Oft findet man Situationen vor, in denen man aufgrund bestimmter Voraussetzungen, Abweichungen, Einschränkungen etc. beinahe schon zwansläufig oder zumindest logischerweise Gedanken, Versändnisschwierigkeiten und resultierend auch Fragen hat. So ging es mir beispielsweise als vor 15 Jahren das Dunkelrestaurant Nocti Vagus mit blindem Personal eröffnet hatte. Ich musste da unbedingt hin, klar gab es da Fragen im meinem Kopf. Zum Beispiel habe ich den Kellner gefragt, ob er schon von Geburt an blind war oder erst später erblindet ist. Als er mir sagte, dass er erst in der Jugend erblindet ist, hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob es ein Fluch war, erst Eindrücke und Erinnerungen gesammelt zu haben oder ob es letztendlich doch eine Bereicherung darstellt, obwohl man weiß, was man vermisst. Unabhängig von der Antwort: ich habe die Erfahrung gemacht, dass man niemanden mit solchen Fragen düpiert, sondern mit aufrichtigem Interesse zu einem besseren Verständnis beiträgt. Denn oftmals ist es nicht die Angst vor unangenehmen Fragen, sondern auch genauso gut die Befürchtung vor unbequemen Antworten...

Von daher: DANKE für den Anfang!

Liebe Grüße!

Umfallen ist wie anlehnen - nur später.


Steppendroid

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30.11.2017 00:40 Uhr
Ich danke.
Von diesem Dunkelrestaurant habe ich letztes Jahr gehört. Leider kam ich noch nicht dazu, dieses aufzusuchen, da ich lieber mit Begleitung hingehen würde. Es ist gewiss eine gute Sache, um Sehenden in einem Bereich, der so alltäglich ist, die Welt der Blinden näher zu bringen. Ab und an, wenn ich meines Weges gehe, mache ich gerne mal die Augen zu, um die Umwelt in Geräuschen sehen zu können. Es ist eine ganz andere Art der Wahrnehmung.
Ob es eine Bereicherung sein kann oder doch mehr Fluch ist, hängt, wie ich es sehe, sehr davon ab, ob man die Gegebenheiten annehmen und sich mit diesen selbst definieren kann, oder dem, was nicht (mehr) ist, stetig nachtrauert und sich selbst über andere definiert. Auf der anderen Seite ist es wichtig, wie die Gesellschaft, andere Menschen dies annehmen und eben verstehen lernen. In der Sache anders denken und erkennen, dass es Normalität nicht gibt und das, was anderen scheinbar fehlt, jenen nicht unbedingt fehlen muss. Jene können gar zuviel von etwas haben oder einem selbst fehlt etwas, doch denken viele Menschen nur darin, dass jenen anderen etwas fehle.

Ich habe z.B. sehr sensible Sinne. Die Sommersonne fast so grell wie weißes Neonlicht direkt vor den Augen, und besonders die Stadt ist ein regelrechtes Meer an Geräuschen. Erklärt wird das durch fehlende Filter, aber ich sehe das nicht so. Meine Sinne arbeiten einfach nur feiner und sensibler. In der freien Natur ist das richtig angenehm und cool, nur in der lauten und grellen Welt des Menschen ist es anstrengend. Ich bin mir sicher, dass es allen gut täte, würden die Städte stiller und die großen Stein- und Betonflächen grüner. Wer weiß denn heute noch, was wirkliche Stille ist? Denn selbst wenn es still scheint, hört man noch vieles. Flugzeuge, Motorräder, die Schritte der anderen und das eigene Ohrenrauschen nach einem lauten Tag.

Ein sehr interessantes Projekt dazu war das "Stillleben Ruhrschnellweg". Einen Tag wurde diese Autobahn im wahrsten Sinne des Wortes still gelegt, damit sich dort Menschen treffen und unterhalten können.

Ich finde es wichtig, alle Menschen durch solche und andere Projekte näher zu bringen und dabei diese Angst und Befürchtung, wie du es gesagt hast, zu überwinden. Ebenso die vielen Tabus zu brechen, die es gibt. Deswegen ist es gut, darüber zu sprechen, Erfahrungen zu teilen und das Andere lernen selber wahrzunehmen.

Nur wer fällt lernt zu fliegen!


*happiness

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30.11.2017 23:26 Uhr
Ich denke, dass hier die Reaktion gering bleiben wird. Viele Menschen, und dazu zähle ich mich auch obgleich ich von berufswegen 'gezwungen' bin mich damit auseinanderzusetzen, scheuen die Konfrontation. Auch ich habe manchmal Schwierigkeiten, Jemanden einfach so zu nehmen wie er ist, wenn er anders tickt als was ich persönlich als 'normal' oder umgänglich ansehe. Aus dem eigenen Leben gegriffen war es z.B.für mich eine unglaublich lange Phase der Akzeptanz und des 'Anpassens an die Gesellschaft', dass meine Tochter anders war als andere. Sie ist schlicht hochbegabt. Nichts weltbewegendes, nicht behindert, nicht auffällig im Sinne von Aggression, einfach 'nur' hochbegabt und doch auffällig genug, dass sie aus dem gewohnten Raster fiel. Tja, und damit begann die Ausgrenzung. Ich konnte nur schwer damit umgehen (mit der Ausgrenzung) und mein Kind erst recht nicht. Es hat etliche Jahre gedauert bis unser Leben Normalität annahm und sie sich in sich selbst wohlfühlte. Jetzt ist sie eine tolle junge Frau und hat sich ihr Leben frei und selbstbestimmt gestaltet. Hätte sie ein Down-Syndrom gehabt (oder was auch immer), wäre es keinesfalls leichter gewesen. Unser Lernprozess war enorm. Nunmehr habe ich mich auch beruflich intensiver damit auseinandergesetzt und ich bin bei Weitem nicht vorurteilsfrei. Doch ich kann es nur bestätigen: Alles was nicht der 'Norm' entspricht, wird nur schwer akzeptiert, teils angestiert, teils ignoriert und oftmals sogar gemobbt. Immer wieder schade, denn im Grunde sind all diese Menschen eine unglaubliche Bereicherung für uns alle! Und was bitte ist schon 'normal'?

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen! (J. W. v. Goethe)


Steppendroid

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30.11.2017 23:55 Uhr
Genau daraum geht es hier. Jene Scheu, jene Angst, jene Ungewissheit und Befürchtung, also alles, was in uns ist und uns daran hindert, darüber zu sprechen, lösen zu können. Dazu braucht es weder einen Fachvortrag, noch die "Bestätigung" anderer, dass etwas nun richtig oder falsch sei.

Was das Thema Hochbegabung anbelangt, lässt sich darüber schon vieles sagen. Es ist nicht häufig, auch nicht ganz so selten, doch in der Gesellschaft zu selten thematisiert.
Du tangierst kurz das Thema Behinderung. Dazu vertrete ich die Ansicht, dass niemand behindert ist, sondern jene nur behindert werden. Wer hochbegabt ist, wird häufig von anderen behindert, oder gar vom ganzen Gesellschafstsystem. Sie sind aber nicht behindert, wie du es auch sagst. Ähnlich ist es bei vielen Autisten oder auch Menschen mit Down-Syndrom. Jene werden im Prinzip nur durch die äußeren Verhältnisse und Umstände behindert.

Bei Menschen mit Down-Syndrom fand man beispielswiese heraus, dass diese nicht so lernunfäig sind, wie lange gedacht wurde. Mit der richtigen Umwelt und Akzeptanz um ihrer Besonderheiten, sind sie äußerst lernfähig und zeigen Potentiale, die man früher nie erahnt hätte.

Heute wage ich zu behaupten, dass 80-95 % aller Dinge, die wir dem Begriff "Behinderung" zuschreiben, hausgemacht sind, sprich von unserer Gesellschaft gemacht und nicht ein unveränderlicher (angeboreneer oder erworbender) Status eines Individuums. Damit will ich natürlich nicht sowas schönreden, wie beispielsweise seine Arme zu verlieren. Natürlich ist das eine massive Einschränkung und Zensur im Leben. Aber es muss keine Behinderung sein, wenn man jene als Gesellschaft zusammen zielführend enthindert.

Früher waren viele Menschen, die sich nur noch mit einem Rollstuhl fortbewegen konnten in jener Bewegung im öffentlichen Raum stark behindert, weil es nur Stufen und kaum Fahrstühle/Aufzüge gab. Heute können jene fast alle Orte mit dem Rollstuhl erreichen - sie wurden durch die Gesellschaft fast gänzlich enthindert, indem man so gut wie alle Behinderungen aus dem Weg räumte - den Weg ebnete.

Was bzgl. physischem Behindert-Werden bereits sehr erfolgreich gelang, sollte auch im psychischen bis sensorischen möglich sein. Aber nur, wenn man sich austauscht, das diskutiert, Ideen sammelt und diese bis in die Politik trägt.

Nur wer fällt lernt zu fliegen!


Steria

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05.12.2017 14:01 Uhr
Leider leben wir immer noch in einer intolerannten Gesellschaft, der es nicht so sehr an Auklärung mangelt, ,sondern nach meiner Erfahrung eher daran ,Berührungsängste zu überwinden. Es gibt Gesellschaftsformen, in denen das Anderssein als eine Besonderheit angesehen und dementsprechend mit großem Respekt begegnet wird. Dazu gehören u.a. asiatische als auch afrikanische Kulturen! Dies würde ich mir ebenso für unsere Gesellschaft wünschen. Gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass dieses Anderssein eines Tages nicht mehr zum Aussenseitertum gehört, sondern uns als eine tolerante Gesellschaft auszeichnet!!

Steria

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05.12.2017 14:33 Uhr
P.s ,möchte doch noch hizufügen,dass die Ausnahme die Regel bestätigt, denn das oben Genannte läßt sich Gott sei Dank nicht auf alle Menschen, nicht auf diejenigen mit einem bestimmten Bewußtsein und einer Sensebilität in dieser Frage beziehen.

NadlFin

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05.12.2017 14:36 Uhr
Welche afrikanischen Kulturen meinst Du jetzt genau? Die, die autistische Kinder als Hexen verbannen oder die, die Albinos töten, um aus ihnen Heilsalben herzustellen?

Mir fällt jetzt spontan überhaupt keine Kultur ein, die mit besonders großem Respekt mit "Andersartigen" umginge. Was es natürlich nicht besser macht. Auch ich hege die Hoffnung, dass die Menschheit eines Tages darüber hinweg ist. So in ein paar tausend Jahren...

Steria

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05.12.2017 15:00 Uhr
Der afrikanische Kontinent ist groß und auch dort bestätigt die Ausnahme die Regel !!!

Steppendroid

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05.12.2017 16:56 Uhr
Vielleicht könnte man da indianische Stämme heranziehen, wovon manche gewiss sehr offen und nett zu den damaligen europäischen Invasoren waren. Aber ich kenne mich zu wenig mit jenen Kulturen aus, um da jetzt entsprechende Auskunft geben zu können, um welche es sich handelte. Dem Menschen allgemein ist es jedenfalls nicht unbedingt fern, dem Anderssein respektvoll gegenüber zu treten. Es ist leider nur kein Massenphänomen, sondern viel mehr eine Nische.
In unseren Breiten sehe ich viel mehr Individuen als ethnisch, kulturelle Gruppen, die o.g. erfüllen. Meist sind es jene, die ganz allgemein viel bewusster leben und ein eher intensiveres emotionale Gespür für die äußere und/oder innere Welt haben.

Nur wer fällt lernt zu fliegen!


Eis

Dabei seit: 16.02.2012
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05.12.2017 20:15 Uhr
Steria hat folgendes geschrieben:
Leider leben wir immer noch in einer intolerannten Gesellschaft, der es nicht so sehr an Auklärung mangelt, ,sondern nach meiner Erfahrung eher daran ,Berührungsängste zu überwinden. Es gibt Gesellschaftsformen, in denen das Anderssein als eine Besonderheit angesehen und dementsprechend mit großem Respekt begegnet wird. Dazu gehören u.a. asiatische als auch afrikanische Kulturen! Dies würde ich mir ebenso für unsere Gesellschaft wünschen. Gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass dieses Anderssein eines Tages nicht mehr zum Aussenseitertum gehört, sondern uns als eine tolerante Gesellschaft auszeichnet!!
In keiner anderen Gesellschaft als in der unseren wird die Toleranz gegenüber allem und jedem dermaßen großgeschrieben. Jeder kann hier tun und lassen, was er will. Ob er den Hund seines Nachbarn heiraten will, sich als 5.geschlechtlich im Reisepaß eintragen lässt, ein Regenbogenklo im Rathaus installiert bekommt, im Tiergarten zeltet, in sämtlichen Parks das Grillverbot ignoriert, auf der Kölner Domplatte herumgrabscht, bei Rot über die Ampel latscht, auf Kosten des Arbeitgebers 5x am Tag auf dem Teppich kniet, mit einem Sack über dem Kopf durch die Stadt schlurft, unten ohne mit der U-Bahn fährt, nach mehr als 130 Straftaten immer nochmal Bewährungsstrafe bekommt, ohne Papiere in das Sozialsystem aufgenommen wird, Kindergeld ohne Nachweis für die Brut auf anderen Kontinenten ausgezahlt bekommt, das Rauchverbot auf sämtlichen Bahnhöfen ignoriert, alles und jedes mit häßlichen Eddingschmierereien verschandelt, mit Jogginghose ins Theater geht oder oder oder... Wie weit soll die Toleranz denn bitte noch gehen?

Eis

Dabei seit: 16.02.2012
Forenbeiträge: 1555


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05.12.2017 20:42 Uhr
Und damit nicht nur nach unten getreten wird: ob man mit dem Millionenkoffer Spendengelder in der Hand erwischt wird, hindert nicht daran, Finanzminister und Bundestagspräsident zu werden. Wer auf Demos "Deutschland, du mieses Stück Scheiße " brüllt, kann immer noch Bundesministerin werden. Wer Steine auf Polizisten wirft, kann Außenminister werden. Wer sein Lebtag noch nicht produktiv gearbeitet hat, kann Arbeitsministerin werden. Wer unzählige Millionen an Steuergeldern versenkt, bleibt unbehelligt. Wer die Rentenkasse plündert, wird für seinen Sparkurs gefeiert. Wer gegen jeden Sinn und Verstand die Energieversorgung ruiniert und gleichzeitig zur teuersten in ganz Europa macht, wird noch gefeiert. Wer ein Hochindustrieland aus Umweltgründen zurück zu Eselskarren und Rucksack-Lieferdiensten werfen will, wird in den Bundestag gewählt. Wer keine Ahnung hat, worüber er abstimmt, darf trotzdem Abgeordneter im Bundestag bleiben.
Von der Toleranz gegenüber dem Irrsinn in den Amtsstuben, dem völlig untauglichen Polizeinachwuchs, den verfallenen Schulen, dem Pflegenotstand, den kaputten Straßen, der Armut bei Kindern und Jugendlichen und prekär Beschäftigten und Rentnern will ich garnicht erst anfangen... sonst sitze ich nämlich morgen früh noch hier, anstatt Steuergelder für den ganzen Unfug zu erwirtschaften.

Sorry, daß ich ein wenig vom Ursprungs-Thema abschweifte (abschwiff, abgeschweift tun tat), aber ich kann dieses Gefasel von der angeblichen Intoleranz in diesem Land nicht mehr hören. Und wem es hier immer noch zu intolerant vorkommt: dann geh doch nach Afrika und werde dort glücklicher als hier
Frühlingsbote



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05.12.2017 20:44 Uhr
Eis hat folgendes geschrieben:
In keiner anderen Gesellschaft als in der unseren wird die Toleranz gegenüber allem und jedem dermaßen großgeschrieben... *sülzsaftel*
Findste gut, ne? Ich auch.

Umfallen ist wie anlehnen - nur später.


NadlFin

Forenbeiträge: 757


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05.12.2017 21:02 Uhr
Danke, Herbsttyp, made my day.



"Gefasel...blahsülz" Damit kenn sich jemand offenbar wirklich gut aus. Weia. Für sowas ist Platz am Stammtisch in der Kneipe in Marzahn.

Steppendroid

Forenbeiträge: 1132


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05.12.2017 23:46 Uhr
Ihr wisst hoffentlich schon alle, was Toleranz bedeutet? Es bedeutet gewiss nicht, dass man lieb und nett zueinander ist, sondern viel mehr das, was Eis sagte: All diesen Unfug, den man nicht will, zu ertragen. Wenn es danach geht, haben wir eine einmalig hochtolerante Gesellschaft hier in Deutschland. Gibt wohl kein anderes Land, welches toleranter ist.

Zum Glück kann jeder sich selbst darin ändern und entscheiden, ob er tolerant oder offen akzeptierend anderen gegenüber sein will. Ich werde definitiv so wenig wie möglich tolerant sein, dafür umso offener und auf andere zugehend. Genau darum geht es. Die Scheu und Berührungsängste überwinden, um etwas nicht mehr länger tolerieren zu müssen. Ebenso Vorurteile ablegen und sich mal selbst fragen, warum und woher man diese hat. Sich selbst zu erkennen ist der beste Weg, um andere zu erkennen. Denn die meisten Sachen, die man anderen zusagt, betreffen eigentlich einen selbst. Das Anderssein als Sündenbock für alles, was man nicht sich selbst zugestehen will. Historisch gibt es dazu zahlreiche Beispiele, leider.

Nur wer fällt lernt zu fliegen!

Frühlingsbote



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06.12.2017 00:00 Uhr
Hach, ich Dummerchen.
Und ich dachte früher immer, für Hypergraphie gäbs nur zwei Ursachen: dass man wirklich viel zu sagen hätte oder dass einem niemand zuhören will.
So einfach scheint es dann wohl doch nicht zu sein...

http://www.stupidedia.org/stupi/Hypergraphie

Umfallen ist wie anlehnen - nur später.


*happiness

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06.12.2017 01:11 Uhr
Ich schließe mich @Eis und @Stepp an. Sämtliche Aufzählungen von @Eis sind nicht von der Hand zu weisen und Diejenigen fordern Toleranz ein, weil sie ja nur mal heute....oder gleich mal eben....oder ausversehen....oder gerade deshalb etwas tun und sehr genau wissen, dass es falsch ist. Wenn sich alle an sämtliche "Regeln" halten würden (und dafür braucht es nicht mal Gesetze, ein funktionierendes Hirn reicht meistensteils sogar schon aus!), hätten wir mehr Zeit und Möglichkeiten, uns um die Anderen zu kümmern, um die, die es wirklich benötigen! Wobei es halt wirklich ganz leicht am Thema vorbei ist - aber das sind wir ja hier gewohnt, was solls!

Etwas durch @sandy inspiriert:
https://www.youtube.com/watch?v=PjYUODTUsvc&list=RDPjYUODTU
svc&t=21

Einfach nur wunderschön (und abseits der Gesellschaft)! Staun!

Um ein klein wenig zum Thema zurückzukommen:
Vor ca. 4 Jahren traf bei uns eine Geburtsmeldung eines Mädchens mit Trisomie 21 ein. Der Reim dazu war beeindruckend (wir haben ihn leider nicht gefunden, ich hätte ihn hier wirklich gern veröffentlicht). Wie in allen Geburtsanzeigen wurde das Neugeborene mit Namen, Bildchen, Größe und Gewicht vorgestellt. Im weiteren Verlauf wurde auf ihre Besonderheit eingegangen und wir möchten uns doch (auch) mit den Eltern freuen. Auch wenn es bestimmt nicht leicht werden würde, sei dieses Kind etwas ganz Besonderes weil es ein Chromosom mehr als die Allgemeinheit hat. Die Eltern legten großen Wert darauf, die Kleine in eine "normale" Kinderbetreuung zu geben und im Gegensatz zur "Vorhersage" der Ärzte kann sie nunmehr Laufen und Sprechen uvm. und hat nun in eine "normale" Kita gewechselt.

Dahingehend hat sich sehr viel in unserer Gesellschaft getan. Während meiner Schulzeit gingen jegliche Kinder mit Besonderheiten auf eine behindertengerechte Schule. Meine große Tochter war bereits mit Kindern im Rollstuhl gemeinsam auf ihrer Schule und geht mit diesem Thema im Allgemeinen völlig anders um. Von Anbeginn an war ihr der Kontakt ermöglicht worden. Das es dahingehend Abstufungen zur Eingliederung gibt, ist nachvollziehbar. Nicht jede Auffälligkeit ist im normalalltäglichen Rahmen zu händeln. Doch nicht jedes aufgeweckte Kind hat gleich ADS/ADHS und nicht jedes hyperaktive Kind ist gleich hochbegabt. (Dieses Thema hatten wir ja schon....manchmal sind sie einfach nur unerzogen!) Wo beginnt das Anderssein mit normalen Alltag? (ohne klare Diagnose wie z.B. Trisomie, Asberger & Co.)

Ich verfalle schon wieder meiner Hypergraphia

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen! (J. W. v. Goethe)


*happiness

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06.12.2017 13:33 Uhr
Eis hat folgendes geschrieben:
[...]Wer auf Demos "Deutschland, du mieses Stück Scheiße " brüllt, kann immer noch Bundesministerin werden. Wer Steine auf Polizisten wirft, kann Außenminister werden. [...]
Das nennt man Resozialisierung

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen! (J. W. v. Goethe)


Steppendroid

Forenbeiträge: 1132


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06.12.2017 16:59 Uhr
Trisomie 21 ist ein gutes Beispiel, wo sich die Schulmedizin sehr stark geirrt hat. Früher nahm man einfach an, dass Kinder mit einem dritten Chromosom 21 nichts (lernen) können würden. Dementsprechend hat man sie behandelt und sie konnten dann auch nicht wirklich viel, was als "normal" gilt. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. Das hat sich erst dadurch geändert, dass gewisse Menschen anfingen, jene Kinder gezielt zu unterrichten, ihnen Aufgaben zu geben, sie für bestimmte Sachen zu begeistern und zu fördern, wie man es mit jedem anderen Kind auch macht. Ein paar Menschen haben nicht akzeptiert, was hochgeschätzte Fachkollegen für sinnlos erachtet haben. Das Ergebnis war verblüffend, da jene Kinder sehr viel lernten und durchaus in der Lage sind, später beruflich tätig zu werden.

Eine meiner Nichten hat eine wirklich sehr seltene Stoffwechselkrankheit. Sie kann ein Eiweise nicht verstoffwechseln, wodurch sie in Lebensgefahr ist, nimmt sie sie zu sich. Im Prinzip darf sie gar nichts essen, sondern erhält über eine Magensonde eine spezielle Nahrung, die sie mit dem Medikament in einer ganz genauen Menge zusich nehmen muss. Übergibt sie sich, muss sie sofort ins Krankenhaus. Da die Krankheit so selten ist, ist die nächste Klinik, die sie behandeln kann, etwa 200 km entfernt.
Mit einer Lebertransplantation könnte man sie zwar davon heilen, doch es besteht dabei eine etwa 50 % Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Operation nicht überlebt. Ihre Eltern entschieden sich daher gegen diese OP, obwohl der Alltag mir ihrer Krankheit sehr stressig sein kann, besonders als sie noch jünger war. Mittelerweile ist sie 15.

Damals war ich der Meinung, man solle diese OP doch riskieren, weil sie ja nicht nur körperlich, sondern auch geistig betroffen ist, sprich sie hinkt in der Entwicklung einige Jahre hinterher. Die Medikamente bzw. die Nahrung ist sehr kohlehydratlastig, weshalb sie ebenso mit starkem Übergewicht zu kämpfen hat. Es sprach vieles dafür, diese OP zu machen, auch wenn sie dabei sterben könnte. Trotzdem denke ich heute anders und frage mich, was gewesen wäre, wenn sie wegen der OP gestorben wäre? Wäre es besser oder nicht. Ich denke eher nicht.

Bei all der Thematik darf man die Eltern nicht vergessen. Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist schwer, da keiner hellsehen kann. Manchmal ist es sogar besser, sich gegen die angeratenen Möglichkeiten zu entscheiden. Bei Asperger bin ich beispielsweise dankbar dafür, dass es nie erkannt wurde, weil damals der Kenntnisstand sehr mager war und besonders früher Kinder schnell in sog. "Sonderschulen" verfrachtet wurden, weil sie bestimmte nicht normgerechte Auffälligkeiten hatten. Da spielte es oft keine Rolle, wie die tatsächlichen geistigen Fähigkeiten sind resp. das geistige Potential ist. Mein Potential ist ja sehr groß, auch wenn ich keinen normgerechten Entwicklungsverlauf aufwies. Selbst da man heute noch erahnen kann, in welchem Feld meine Entwicklungsverzögerungen lagen, lernte ich eins nach dem anderen zu kompensieren.

Das Schöne an der ganze Sache ist, dass das Gehirn sehr modular ist. Wenn eine Sache im Kopf nicht richtig funktioniert, gibt es viele Bereiche im Kopf, die das in der Lage sind zu kompensieren. Das soll natürlich nicht heißen, dass sich alles selbst lösen würde. Wesentlich ist der Umgang in der Gesellschaft. Besonders wichtig ist die Akzeptanz. Zu akzeptieren, wenn z.B. das Kind mit 4 oder 5 noch nicht richtig sprechen, dafür aber bereits gut lesen kann. Oder wie *happiness schrieb, das eigene Kind mit Trisomie 21 ebenso so zu akzeptieren, wie es ist. Dann ist es eben anders, was ist daran schlimm? Heute bin ich vernarrt ins Schreiben und werde nicht müde im Lesen und sehr viel plappern kann ich auch, wenn ich denn will. Ob ich denn noch a-sozial bin, weiß ich indes nicht. Geb aber mein bestes, auf anderer Güfühle einzugehen.

Nur wer fällt lernt zu fliegen!


Heike_70

Forenbeiträge: 164


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23.01.2018 01:21 Uhr
Wow, ich war schon erwig nicht mehr hier und bin angenehm überrascht. Toll, wie sich die Themenlandschaft entwickelt hat.
Ich bin begeistert.
saendmaen



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23.01.2018 06:18 Uhr
@ ...

In keiner anderen Gesellschaft als in der unseren wird die Toleranz gegenüber allem und jedem dermaßen großgeschrieben. Jeder kann hier tun und lassen, was er will. Ob er den Hund seines Nachbarn heiraten will, sich als 5.geschlechtlich im Reisepaß eintragen lässt, ein Regenbogenklo im Rathaus installiert bekommt, im Tiergarten zeltet, in sämtlichen Parks das Grillverbot ignoriert, auf der Kölner Domplatte herumgrabscht, bei Rot über die Ampel latscht, auf Kosten des Arbeitgebers 5x am Tag auf dem Teppich kniet, mit einem Sack über dem Kopf durch die Stadt schlurft, unten ohne mit der U-Bahn fährt, nach mehr als 130 Straftaten immer nochmal Bewährungsstrafe bekommt, ohne Papiere in das Sozialsystem aufgenommen wird, Kindergeld ohne Nachweis für die Brut auf anderen Kontinenten ausgezahlt bekommt, das Rauchverbot auf sämtlichen Bahnhöfen ignoriert, alles und jedes mit häßlichen Eddingschmierereien verschandelt, mit Jogginghose ins Theater geht oder oder oder... Wie weit soll die Toleranz denn bitte noch gehen?



Ein Forums -Rückblick kann auch eine Vorschau sein , was noch kommen könnte , nämlich die von manchen erhoffte , wieder hergestellte
deutsche Ordnung , der nicht weit zurückliegenden deutschen Geschichte.




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