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Open-Air: Jazz am Kaisersteg – draußen und gratis


Johnny LaMarama:
Kalle Kalima – guitar, vocals | Chris Dahlgren – bass, vocals | Eric Schaefer – drums, vocals
Vier Alben hat das dynamische Trio zwischen 2001 und 2014 veröffentlicht, danach war erst mal Sendepause. Was vermutlich daran liegt, dass die Musiker alle Hände voll mit anderen Bands und Projekten zu tun haben. Für jene, die seinerzeit nicht von Johnny LaMarama überfallen wurden: hier ist Humor im Spiel, und handfester Rock. Der finnische Nonkonformist Kalle Kalima lässt seine E-Gitarre dermaßen jaulen und kreischen, dass mancher unweigerlich an Jimi Hendrix denkt. Zumal der Blues bei Johnny LaMarama oft nur zwei Armlängen entfernt scheint. Nicht die Mantra-artig klagende Variante des Blues aus dem Süden, sondern ein rebellischer, urbaner, elektrischer Blues, zu dessen weitverzweigter spröder Verwandtschaft wohl auch Tom Waits gehört. Aufgestachelt wird Kalima von rollenden bis wirbelnden Schlagzeughieben Eric Schaefers, dessen junges Herz für bissige Hardcore-Bands schlug, eher er durch Jazz und Neue Musik auf ganz andere Bahnen geriet. Für gelegentliche Erdung sorgt Chris Dahlgren, der zwar bei den Avantgarde-Ikonen Anthony Braxton und La Monte Young studierte, gleichzeitig aber viel Wüsten-Rock‘n‘Roll im Blut hat. Schließlich ist er 1961 in New York geboren und in Denver aufgewachsen.

MeoW!:
Cansu Tanrikulu – vocals | Liz Kosack – keys, vocals | Dan Peter Sundland – bass, vocals | Jim Black – drums, vocals
Noch eine Band mit Generationenvertrag. Der weit gereiste Drummer Jim Black, (*1967) aufgewachsen in Seattle und seit 1991 Teil der progressiven Szene New Yorks (Tim Berne, Laurie Anderson, Chris Speed u.a.), gehört zu den markantesten seiner Zunft. Black beherrscht die Kunst, komplex und dicht zu spielen, auf magische Weise die Musik zu beflügeln und seinen Mitspielern trotzdem noch ausreichend Raum zu lassen. Seit vielen Jahren zählt er auch zur Berliner Szene, nicht zuletzt durch seine lange währende Kooperation mit Carlos Bicas Azul. Die weiteren MeoWs sind wie Black irgendwann in der Hauptstadt gelandet, indes deutlich jünger als er. Die Synthesizer-Spezialistin Liz Kosack (New York) spielt in verschiedenen Konstellationen mit E-Bassist Dan Peter Sundland (*1986 in Oslo), beide gehören zum experimentierfreudigen, in viele Richtungen offenen KIM Collective. Ayşe Cansu Tanrıkulu (*1991) kam aus Ankara zum Studium nach Berlin und fand schnell Anschluss in der Szene. Nicht nur wegen ihres dunklen, volltönenden Timbres, sondern auch dank eines couragierten Umgangs mit elektronischen Effekten. Die musikalische Spannweite bei MeoW! reicht von Pop-Melodien und Funk-Grooves bis zu ausfasernden Strukturen und Noise-ähnlichen Passagen.

The Resonators:
Frank Gratkowski – alto sax, flute | Sebastian Müller – guitar | Reza Askari – bass | Thomas Sauerborn – drums
Viele dürften Frank Gratkowski als innovativen Geist zwischen freier Improvisation und zeitgenössischer Musik kennen. Der Virtuose hat intensiv zur Erzeugung neuer Töne auf Saxophonen, Klarinetten und Flöten geforscht, erweiterte Spieltechniken kreiert, mit mikrotonalen Konzepten und akustischen Phänomenen gearbeitet. Doch selbst der große Intellektuelle und Vordenker hat Boden unter seinen Füßen. Eine entschieden erdige und rockige Richtung schlägt Gratkowski mit der Band The Resonators ein, und das liegt nicht nur an den zerrenden Akkorden und gleißenden Linien von Sebastian Müllers E-Gitarre. Wuchtig-massive Bässe und hypnotisch wirbelndes Schlagzeug befeuern Solo-Eskapaden, die mitunter schrille Noise-Ansätze entwickeln und sengende Feuer entfachen können. Zwischendurch bremst das energiegeladen-fiebrige Quartett runter; in ruhigen Passagen streicht Askari obertonreiche Noten mit dem Bogen, während Gratkowski auf unkonventionelle Art die Flöte flirren oder die Klarinette schweben lässt. Für Momente geben sich alle melodisch, changieren von versöhnlichen zu atmosphärischen Klängen, ehe die Maschine langsam wieder hochfährt...

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